Der heilige Florian

Kloster Sankt Florian

Die Zeit und die Umstände

An der Wende vom dritten zum vierten Jahrhundert hatte das Christentum im Römischen Reich bereits weite Verbreitung gefunden. Händler und Legionäre brachten die neue Lehre aus der östlichen Reichshälfte selbst in weit abgelegene Provinzen des Imperiums.
Auch im süddeutsch-österreichischen hatte das Christentum Eingang gefunden. Die Aufgabe der Donauprovinzen durch die Römer im Jahre 488 sowie die nachfolgende Neustrukturierung des Landes bedeutete für die christlichen Gemeinden weitgehend das Ende. Allerdings lassen die weiter tradierte Verehrung der hl. Afra in Augsburg, die Lebensbeschreibung des hl. Severin oder der Kult des hl. Florian noch spät-antikes christliches Leben auf bayerisch-österreichischem Boden erahnen.
In Florian begegnet uns zu Beginn des vierten Jahrhunderts ein hoher römischer Beamter als Märtyrer, der die zunehmende Christianisierung aller sozialen Schichten erkennen lässt. Daran vermochte auch die letzte große Verfolgungswelle unter Kaiser Diokletian zwischen 303 und 305 nichts mehr zu ändern – im Gegenteil: 313 sah sich Kaiser Konstantin veranlasst, das Christentum als gleichberechtigte Religion im Reich anzuerkennen.

Statue des hl. Florian im Kloster Sankt Florian

Zu Florian

Florian war Kanzleivorstand des Zivilstatthalters der nördlichen Hälfte der Provinz Noricum und somit höchster Verwaltungsbeamter. Er war bereits im Ruhestand. Möglicherweise war er auch aufgrund seines Glaubens seines Amtes enthoben worden, als er von Christenverfolgungen in Lauriacum (Lorch), einem Donaulimes, erfuhr. Um den inhaftierten Christen beizustehen, begab er sich dorthin und wurde vom Statthalter Aquilinius festgenommen und verurteilt, nachdem er sich geweigert hatte, den römischen Staatsgöttern zu opfern.
Mit einem Stein um den Hals wurde er in der Enns ertränkt. Die Legende, die sich in späteren Zeiten um die Gestalt Florians rankte, weiß weiter zu erzählen, dass der Leichnam an einem Felsen angeschwemmt und dort von einem Adler beschützt wurde, bis ihn eine fromme Frau an der Stelle begrub, die ihr in einer Vision bezeichnet worden war.
Nicht zuletzt aufgrund des legendären Beiwerks – in späteren Zeiten avancierte Florian zum Glaubensprediger oder gar zum Bischof von Lorch – wurde die historische Authentizität des spät-antiken Märtyrers oftmals in Frage gestellt. Der historische Kern der Florians-Legende erwies sich jedoch als unumstößlich. In einer früh-mittelalterlichen Abschrift des Martyrologiums des Hieronymus, einem verschollenem Märtyrerkalender des 5. Jahrhunderts, wird Florian erstmals erwähnt. Aufgrund der exakten römischen Beamtentitulatur und der detaillierten Kenntnisse über die Provinzverwaltung kann die Florians-Legende nicht erst im Frühmittelalter entstanden sein. Kaum ein Autor des achten und neunten Jahrhunderts hätte über das nötige Wissen verfügt. Auch der Wohnort Florians, das römische Cetium (das heutige St. Pölten) war zu dieser zeit nicht mehr unter seinem römischen Namen bekannt. Der Heilige gilt deshalb als einer der wenigen Belege für die christliche Tradition in den ehemaligen Donauprovinzen des Römischen Reiches und für deren Weiterleben von der Spätantike bis ins Frühmittelalter.
Eine Bestätigung erfuhr die Florians-Legende in jüngerer Zeit durch archäologische Untersuchungen im antiken Lauriacum: Neben spät-antiken Kirchenbauten ab etwa 350 wurde in der dortigen Laurentiuskirche ein römisches Steinreliquiar geborgen, das der ersten christlichen Basilika des vierten Jahrhunderts zugewiesen werden konnte. Im Inneren fanden sich die Überreste von mindestens 31 Menschen, vornehmlich Männer, die noch in ein zeitgenössisches Grabtuch gehüllt waren. Aufgrund der Zeitstellung und der Anzahl wurden sie mit den in der Florians-Legende erwähnten 40 Gefährten in Verbindung gebracht, für die sich Florian verwenden wollte und die für ihren Glauben wie Florian als Blutzeugen eintraten. Die belegte Verehrung des Steinsarges als Heiligengrab seit dem fünften Jahrhundert stützt diese Vermutung.
Die Ereignisse wurden in Verbindung mit der letzten großen Christenverfolgung unter Diokletian zwischen 303 und 305 gesehen; durch die im Martyrologium überlieferte Angabe von Tag und Monat wird deshalb der 4. Mai 304 als wahrscheinliches Datum des Martyriums angegeben.

Florianstatue der Feuerwehr MERSCH

Quelle:
St. Florian – Feuer und Wasser

Auf den Spuren des hl. Florian in der Erzdiözese München und Freising
Michael Volpert in: Pfister 2003, S. 68-71

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